Franz West, Venedig—Patmos, 1977 (Foto: Freddie Jellinek)

Franz West, Venedig—Patmos, 1977 (Foto: Freddie Jellinek)

Franz West und Otto Kobalek, Venedig—Patmos, 1977 (Foto: Freddie Jellinek)

Franz West und Otto Kobalek, Venedig—Patmos, 1977 (Foto: Freddie Jellinek)

Die Kunstwerke von Franz West finden sich heute in den renommiertesten internationalen Museen, Sammlungen, Galerien und öffentlichen Räumen. Ihnen allen haftet immer noch der intime geistige Raum und das Instinktive an, dem sie entsprungen sind. Sie warten gleichsam offensiv auf ihr Gegenüber und fordern unbedingte Gegenwärtigkeit. Offen für Zeitgleiches, Ambivalentes, für Bruchstellen schuf Franz West elementare Szenarien zwischen Kunst und Leben, zwischen Museum und Straße.

Franz West war eine originäre Art eigen, spontan kommunikative Momente und Konstellationen Einzug in seine persönlichen und künstlerischen Welten nehmen zu lassen. Lebensszenarien und menschliche Begegnungen fließen in die intuitiven und gewitzten Choreografien seiner künstlerischen Verfahren ein. Seine Kunst eröffnet Einblicke in die Tiefe der Oberfläche und in die Dauer des Augenblicks, um dessen Bedeutung er Bescheid wusste. Die Vollendung seiner Arbeiten findet immer in der Begegnung statt. Seine Passstücke und Sitzmöbel werden frei gesetzt, warten auf ihre Vervollständigung durch deren Rezeption, deren An- und Verwendung durch neue Gegenüber, frei von unbedingtem Beharren auf Intendiertes. Der Künstler erfasste dadurch wohl einen zentralen Moment von Bedeutung innerhalb der Gegenwartskunst, war damit wegweisend für ihre Weiterentwicklung weit über die lokale Kunstszene hinaus.

West nimmt jene Berührungsängste, die Kunst so oft auslöst, wie das Falsche zu sagen, das Unangemessene zu denken. So nah wie seinen Arbeiten rücken wenige Kunstwerke Menschen auf den Leib, wodurch Rezeption zur Teilnahme und Kunstschauplätze zu lebendigen Orten werden.
Dieser Aspekt darf und kann nach seinem irdischen Ableben nicht geschmälert werden und seine Skulpturen dürfen nicht nur bestenfalls Relikte eines lebendigen Prozesses darstellen.
Das Ziel des Archivs ist daher neben der möglichst vollständigen Dokumentation des Schaffens von Franz West auch die Förderung einer adäquaten Auseinandersetzung mit dem Künstler.

News

Chaiselongue von Franz West (© Archiv Franz West)

Franz West jetzt in Venedig

Christine Macel, Direktorin der 57. Biennale in Venedig 2017 und Kuratorin der Hauptausstellung „VIVA ARTE VIVA“, wählte eine Werkserie von Franz West sowie eine Video­dokumentation seiner künstlerischen Praxis als Ausgangs­punkt für den Ausstellungs­teil „The Artist’s Pavilion“. West lehnte das traditionell passive Verhältnis von Kunstwerk und Betrachter ab. Seine Arbeit ist fundamental partizipativ in der Haltung den Dialog mit den Betrachtern zu suchen.

Der 29-jährige Franz West gemeinsam mit seinem älteren Bruder Otto Kobalek vor dem Österreichischen Pavillon im Jahr 1976. (© Freddie Jellinek)

Stammgast in Venedig

Auf der 54. Biennale in Venedig 2011 wurde Franz West (1947—2012) mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 1990 repräsentierte Franz West Österreich bei der Biennale in Venedig, Kommissär war Hans Hollein. Das Foto (© Freddie Jellinek) zeigt den 29-jährigen Franz West gemeinsam mit seinem älteren Bruder Otto Kobalek vor dem Österreichischen Pavillon im Jahr 1976. Die österreichischen Teilnehmer waren Rudolf Hoflehner, Rudolf Kedl, Wolfgang Walkensteiner, Reimo S. Wukounig. Kommissärin: Leopoldine Springschitz

Kurzbiografie

1970 Beginn der künstlerischen Tätigkeit · 1977–82 Akademie der Bildenden Künste, Wien, bei Bruno Gironcoli · 1992/93 Lehrauftrag an der Städelschule Frankfurt a. M. · 1986 Otto-Mauer-Preis, Wien · 1993 Skulpturenpreis der EA-Generali Foundation, Wien · 1998 Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig, Köln · 2011 Goldener Löwe, 54. Biennale di Venezia / Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst